{"id":222,"date":"2012-11-13T17:07:39","date_gmt":"2012-11-13T15:07:39","guid":{"rendered":"http:\/\/familie-woehl.de\/?page_id=222"},"modified":"2021-11-30T17:57:31","modified_gmt":"2021-11-30T17:57:31","slug":"richard-wohl-4-1-und-martha-hinrichs-4-2","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/familie-woehl.de\/?page_id=222","title":{"rendered":"Richard W\u00f6hl (4.1) und Martha Hinrichs (4.2)"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/richard1892martha1902.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"300\" height=\"233\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/richard1892martha1902-300x233.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-708\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/richard1892martha1902-300x233.jpg 300w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/richard1892martha1902-150x116.jpg 150w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/richard1892martha1902-624x486.jpg 624w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/richard1892martha1902.jpg 685w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><figcaption>Richard 1892 und Martha 1902<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Der 1891 geborene einzige Sohn von Wilhelm (3.1) und Friederike W\u00f6hl&nbsp;(3.2) besucht wegen seiner guten Begabung die Schweriner B\u00fcrgerschule, ist aber in den letzten Schuljahren so faul, da\u00df er vor der mittleren Reife abgehen mu\u00df. Die Lehre bei Zigarrenh\u00e4ndler Barth erweist sioh als ein Flop. Da steht in der MZ (Mecklenburger Zeitung), da\u00df Rechtsanwalt L\u00f6wenthal, ein Jude, einen gewandten Schreiber sucht. Richard wird bei ihm einer und kann sich nach einigen Jahren bei der Mecklenburgisch-L\u00fcbeckschen Lebensversicherungsbank qualifizieren, wo er es bis zum Abteilungsleiter bringt. So gilt er f\u00fcr Martha Hinrichs, die Tochter von Christian und Luise (3.1. und 3.2) durchaus als gute Partie. An seiner R\u00fcckratverkr\u00fcmmung st\u00f6rt sich kaum einer. Auch Luise, seine Schwiegermutter, mag ihn. Und seine Eltern bem\u00e4ngeln nur, &#8222;dat Martha nich arbeiten liert hett.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno_Woehl1923.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"220\" height=\"300\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno_Woehl1923-220x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-751\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno_Woehl1923-220x300.jpg 220w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno_Woehl1923-110x150.jpg 110w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno_Woehl1923.jpg 411w\" sizes=\"auto, (max-width: 220px) 100vw, 220px\" \/><\/a><figcaption>Bruno 1 Jahr alt<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Johannisstrasse11.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"97\" height=\"150\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Johannisstrasse11-97x150.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4074\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Johannisstrasse11-97x150.jpg 97w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Johannisstrasse11-195x300.jpg 195w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Johannisstrasse11-665x1024.jpg 665w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Johannisstrasse11.jpg 743w\" sizes=\"auto, (max-width: 97px) 100vw, 97px\" \/><\/a><figcaption>Johannisstr. 11<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Allerdings sind die Zeitumst\u00e4nde nach dem ersten Weltkrieg alles andere als rosig. Lebensmittel sind knapp. Der Geldwert sinkt immer tiefer. Durch die Inflation rechnet man nur noch mit Millionen- oder Milliardenbetr\u00e4gen. Dennoch bekommt man den n\u00f6tigsten Hausrat zusammen und kann zun\u00e4chst in einem Mansardenzimmer in der Rostocker Stra\u00dfe wohnen, bis man schlie\u00dflich eine Wohnung bei Maurermeister Stein in der Johannesstra\u00dfe 11 bekommt.  Dort oben in der Zweizimmerwohnung im zweiten Stock wird Bruno (5.1) geboren und soll das einzige Kind bleiben (siehe Foto rechts von 1923).<br><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_eltern1925.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"185\" height=\"300\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_eltern1925-185x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-709\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_eltern1925-185x300.jpg 185w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_eltern1925-92x150.jpg 92w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_eltern1925.jpg 578w\" sizes=\"auto, (max-width: 185px) 100vw, 185px\" \/><\/a><figcaption>Bruno mit seinen Eltern 1925<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>1924 endlich gibt es das erste Festgeld. Richard und Martha kaufen daf\u00fcr &#8211; ihrer optimistischen Lebensauffassung entsprechend &#8211; eine Gans, denn G\u00e4nsebraten mu\u00df man seit Jahren entbehren. Doch das b\u00f6se Erwachen kommt: Richards Lebensversicherung geht pleite als Inflationsfolge. Doch Richard ist nicht lange arbeitslos, sondern bekommt mit Hilfe von Onkel August, dem gro\u00dfherzoglich geheimen Oberhofkabinettskanzlisten, einen Schreiberposten bei dessen Sohn, dem Amtmann Hans Bertram mit dem Goldenen Sportabzeichen, in der Landesregierung. Dort regiert ein Berufssoldat der alten Schule \u00fcber die Schreiberlinge. Richard kann zwar gut schreiben, aber sich nicht unterordnen. Er schafft die Umstellung nicht und wird darum &#8222;weggelobt&#8220; zum Siedlungsamt, wo er wieder auf die Beine f\u00e4llt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_schulkind1929.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"167\" height=\"300\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_schulkind1929-167x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-750\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_schulkind1929-167x300.jpg 167w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/bruno_schulkind1929-83x150.jpg 83w\" sizes=\"auto, (max-width: 167px) 100vw, 167px\" \/><\/a><figcaption>Bruno als Schulkind 1929<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>So verbessert sich auch langsam sein Einkommen wieder. Schon in ihrer Verlobungszeit nehmen sich Richard und Martha einen Kleingarten vor dem Wittenburger Tor nahe dem Lankower See. Sie haben daran Spa\u00df, sp\u00e4ter auch Bruno. F\u00fcr die groben Arbeiten ist Oma Rieke die gr\u00f6\u00dfte St\u00fctze. Vielleicht liegt in der Gartenarbeit die Wurzel f\u00fcr die kommenden Probleme.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schwerin_Goethestr.jpg\" rel=\"attachment wp-att-1235\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"237\" height=\"300\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schwerin_Goethestr-237x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1235\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schwerin_Goethestr-237x300.jpg 237w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schwerin_Goethestr-118x150.jpg 118w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schwerin_Goethestr-624x789.jpg 624w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Schwerin_Goethestr.jpg 726w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/a><figcaption>Wohnhaus Goethe Str. 86<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Als Folge einer Erk\u00e4ltung oder Grippe, die sich Richard im Fr\u00fchjahr 1930 zuzieht, entwickelt sich bei ihm ein schlimmes Leiden, das man k\u00f6rperliche Nervenschw\u00e4che nennt. Wegen Platzangst kann er drau\u00dfen keinen Schritt mehr allein machen, obwohl die Beine an sich in Ordnung sind. Martha mu\u00df ihn zum Dienst bringen und auch wiederholen und auch sonst st\u00e4ndig begleiten. In der Wohnung merkt man gar nichts von dem Leiden. \u00dcber 20 Jahre mu\u00df er sich bis zu seinem Tod damit qu\u00e4len, und sie sagt so manches Mal: &#8222;Mein junges Leben welkt dahin &#8230;&#8220; Ein wenig theatralisch, aber das ist schon eine arge Belastung. Trotzdem ist Richard nicht pessimistisch, sondern immer guter Dinge. 1937 wird die Sache dann kritischer. Um einen weniger weiten Weg zur Regierung zu haben, ziehen W\u00f6hls um in das Haus der ,,Wrucke&#8220; in der Rostocker Stra\u00dfe, die nun Adolf Hitler Stra\u00dfe (nach dem Krieg &#8222;Goethestr. 86&#8220;)&nbsp;hei\u00dft. Bis zum Garten w\u00e4re es fortan zu weit. Auch Oma Rieke kann nicht mehr von Vadding weg, weil er einen Schlaganfall gehabt hat. So wird der Garten aufgegeben.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1937.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"145\" height=\"300\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1937-145x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-747\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1937-145x300.jpg 145w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1937-72x150.jpg 72w\" sizes=\"auto, (max-width: 145px) 100vw, 145px\" \/><\/a><figcaption>Bruno 1937<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Es ist Nazizeit. Richard glaubt daran und wird schon 1935 Parteimitglied. Bruno muss 1934 in die Hitlerjugend (siehe\u00a0Foto von der Jugendweihe\u00a0auf der <a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/?page_id=200\">Seite seiner Hinrichs-Gro\u00dfeltern<\/a>)\u00a0und hat keinen Spa\u00df daran, vor allem nicht an den Sommerlagern, deren Besuch unvermeidlich ist. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Realgymnasium.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"103\" height=\"150\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Realgymnasium-103x150.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4091\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Realgymnasium-103x150.jpg 103w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Realgymnasium-206x300.jpg 206w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Realgymnasium-705x1024.jpg 705w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Realgymnasium.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 103px) 100vw, 103px\" \/><\/a><figcaption>Realgymnasium<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Bruno besucht das Realgymnasium und verbringt seine Freizeit in der Badeanstalt Kalkwerder, denn als &#8222;Dicker&#8220; soll er viel schwimmen. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignright size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schwimmbad_Kalkwerder.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"106\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schwimmbad_Kalkwerder-150x106.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-4075\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schwimmbad_Kalkwerder-150x106.jpg 150w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schwimmbad_Kalkwerder-300x213.jpg 300w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schwimmbad_Kalkwerder-1024x726.jpg 1024w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schwimmbad_Kalkwerder-768x545.jpg 768w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Schwimmbad_Kalkwerder.jpg 1094w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><figcaption>Badeanstalt Kalkwerder<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Alten spielen w\u00e4hrenddessen Skat, w\u00e4hrend die Damen schludern. Es gibt sch\u00f6ne Schwimmfeste und Feiern. Bald geht es zum Tanzunterricht. Onkel Walter Hinrichs, Marthas Bruder, ist jetzt auch in Schwerin, und alles sieht gut aus, weil keiner wei\u00df, wie nahe der zweite Weltkrieg bevorsteht.<\/p>\n\n\n\n<p>Von welcher Wesensart sind sie eigentlich, Richard und Martha? Auf alle F\u00e4lle lebensfroh optimistisch und gro\u00dfz\u00fcgig. Das ist offenbar besser als Riekes Kleinlichkeit und der Bertram Geiz. Schlie\u00dflich dr\u00fcckt der freundliche Herr Bobzin von der Beamtenbank immer ein Auge zu und gibt einen warmen H\u00e4ndedruck, wenn man ihm einen ungedeckten Scheck vorlegt. Von den Zinsen lebt die Bank nicht schlecht. Politisch geht Richard mit dem Zeitgeist mit, w\u00e4hrend Martha immer noch der Adel imponiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht ist es gut, auf den Zeitgeist der 30er Jahre einzugehen, weil man sp\u00e4ter nur noch die Naziverbrechen in den Konzentrationsl\u00e4gern, besonders an den Juden, in den Vordergrund stellt. Zun\u00e4chst einmal hatte es nach der Inflation Anfang der zwanziger Jahre als Folge des ersten Weltkriegs einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung gegeben. Aber die Weimarer Republik hatte es durch das eigene Profitgerangel nicht verstanden, die Verh\u00e4ltnisse im Lot zu halten. So waren es 1933 7 Millionen Arbeitslose, durch die die Kaufkraft so verringert war, dass niemand investieren wollte. Da die Banken kaum mehr kreditieren konnten und ohne Sicherheiten auch nicht wollten, bl\u00fchte das Wucherer-Gewerbe. Aller Geldfluss ging zu denen, die es von der Regierung her zu sich steuerten. Und das waren haupts\u00e4chlich die Juden. Mit friedlichen Mitteln konnten die Nazis denen das Kapital nicht wieder abjagen. Der Preis f\u00fcr die Besserung der Verh\u00e4ltnisse in der Nazizeit bestand in verbrecherischen Gewalttaten an den Juden. Eine Alternative gab es nicht, wenn man nicht Gewalttaten der Notleidenden heraufbeschw\u00f6ren wollte. Nat\u00fcrlich stand das Ausland auf Seiten der entmachteten Juden. So war der zweite Weltkrieg vorprogrammiert. Das war eine ganz folgerichtige Entwicklung, die keineswegs allein auf einer schiefen Naziideologie beruhte. Wahrscheinlich wird sich so etwas Kreislauf \u00e4hnlich wiederholen. Zum Zeitpunkt dieser Zeilen &#8211; 1987 &#8211; deutet die hohe Arbeitslosenzahl bereits eine entsprechende Tendenz an.  <em>(Anmerkung von Kai: \u00dcber solche Vorurteile meines Vaters zu &#8222;Juden&#8220; und zur NS-Zeit  konnte man mit ihm nicht diskutieren, da &#8222;man selbst die Zeit ja nicht erlebt hatte&#8220;. Sie waren \u00e4hnlich wie andere pauschalierende Aussagen zu &#8222;den Engl\u00e4ndern, den Franzosen, den Holl\u00e4ndern, den Italienern, den Polen, den Russen usw.&#8220; fest gef\u00fcgt und auch durch sp\u00e4tere Reisen oder pers\u00f6nliche Bekanntschaften nicht zu ersch\u00fcttern.)<\/em> <\/p>\n\n\n\n<p>Wir schreiben nun 1939. Bruno verl\u00e4\u00dft die Schule und wird mit Hilfe der Skatbr\u00fcder von Kalkwerder gegen seinen Willen zur Post verkuppelt, aber vielleicht soll das gar nicht so verkehrt sein, denn schon im September dieses Jahres bricht der zweite Weltkrieg aus.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1942.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"184\" height=\"300\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1942-184x300.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-748\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1942-184x300.jpg 184w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1942-92x150.jpg 92w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Bruno1942.jpg 579w\" sizes=\"auto, (max-width: 184px) 100vw, 184px\" \/><\/a><figcaption>Bruno als Soldat 1942 in Stettin<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Marthas Bruder Walter wird sogleich Soldat, w\u00e4hrend Bruno noch bis 1941 Zeit hat, um seine Postausbildung ziemlich zu beenden. Richard wird ins Landeswirtschaftsamt umgesetzt, um die Rationierung von Benzin und \u00d6l zu organisieren. Anfangs zur Zeit der siegreichen Schlachten leiden die W\u00f6hls nicht allzu sehr unter dem Krieg. Das wird erst in seiner zweiten, nicht mehr ganz so siegreichen R\u00fcckzugh\u00e4lfte anders. Gemeinsame Wochenenden mit Walter und Bruno gibt es nicht mehr, denn Walter kommt nach Ru\u00dfland, Bruno nach Frankreich. Bruno kehrt bald nach dem Krieg heim, Walter wird hingegen bei Falkenburg in Pommern vermi\u00dft.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Kriegsende r\u00fccken zun\u00e4chst die Amerikaner als Besatzung in Schwerin ein und benehmen sich noch einigerma\u00dfen zahm, aber im Juli 1945 kommen dann die Russen und verhalten sich barbarisch. Pl\u00fcndern, rauben, morden und vergewaltigen sind noch lange an der Tagesordnung, dazu die Geheimdienstmethoden mit der Bespitzelung. Dar\u00fcber h\u00f6ren wir im Zusammenhang mit Bruno (5.1) mehr, er hat nun mit Tante Mimis Hilfe Annemarie (5.2) wiedergefunden. Es gibt bald &#8222;Chausseegrabenhochzeit&#8220;, wie Richard sagt, in Feldberg, wo Bruno Amtsvorsteher bei der Post ist und Annemarie die Fernsprechvermittlung bedient.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Deutschen bew\u00e4ltigen nun die Nazivergangenheit durch Entnazifizierungsverfahren und machen es &#8211; wie immer &#8211; 150%ig. Richard wird als Parteimitglied aus dem Staatsdienst entlassen, kommt aber noch einmal bei der Handwerkskammer als B\u00fcrokrat wieder unter. Bruno und Annemarie m\u00fcssen schon Anfang Juni 1946 in den Westen fl\u00fcchten. Nun ist Richards optimistische Geisteshaltung stark angeknackst, was sich entsprechend auf das k\u00f6rperliche Wohl auswirkt. So stirbt er schon am Gr\u00fcndonnerstag 1952. Martha pflegt noch zwei Jahre ihre Mutter und Schwiegermutter. F\u00fcr Rente ist sie noch zu jung. Sie muss das Haus verkaufen und siedelt 1955 zu Bruno und Annemarie in den Westen \u00fcber. Dort sind ihr noch <em>25 <\/em>Jahre beschieden, die sie gut f\u00fcr Reisen und Zusammenk\u00fcnfte zu nutzen wei\u00df. Doch sie ist unruhig und zieht noch von D\u00fcsseldorf nach Neuss zu Frau Kempke, ist danach f\u00fcnf Jahre in L\u00fcbeck und die restliche Zeit wieder in D\u00fcsseldorf in eigener Wohnung. Im April 1980 stirbt sie an Durchblutungsst\u00f6rungen im Bein.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schlu\u00df noch Fotos von Martha und Richard. Sie sind in den vierziger Jahren aufgenommen. Richards Gesichtsausdruck ist schon von seiner Krankheit gezeichnet.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-gallery columns-2 is-cropped wp-block-gallery-1 is-layout-flex wp-block-gallery-is-layout-flex\"><ul class=\"blocks-gallery-grid\"><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Richard.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"312\" height=\"446\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Richard.jpg\" alt=\"\" data-id=\"506\" data-link=\"https:\/\/familie-woehl.de\/?attachment_id=506\" class=\"wp-image-506\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Richard.jpg 312w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/Richard-209x300.jpg 209w\" sizes=\"auto, (max-width: 312px) 100vw, 312px\" \/><\/a><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/martha.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"153\" height=\"185\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2012\/11\/martha.jpg\" alt=\"\" data-id=\"226\" data-link=\"https:\/\/familie-woehl.de\/?attachment_id=226\" class=\"wp-image-226\"\/><\/a><\/figure><\/li><li class=\"blocks-gallery-item\"><figure><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-scaled.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"732\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-732x1024.jpg\" alt=\"\" data-id=\"4089\" data-full-url=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-scaled.jpg\" data-link=\"https:\/\/familie-woehl.de\/?attachment_id=4089\" class=\"wp-image-4089\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-732x1024.jpg 732w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-214x300.jpg 214w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-107x150.jpg 107w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-768x1074.jpg 768w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-1098x1536.jpg 1098w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-1464x2048.jpg 1464w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Familiengrab-scaled.jpg 1830w\" sizes=\"auto, (max-width: 732px) 100vw, 732px\" \/><\/a><\/figure><\/li><\/ul><\/figure>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button alignright\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/?page_id=228\">n\u00e4chste Seite<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der 1891 geborene einzige Sohn von Wilhelm (3.1) und Friederike W\u00f6hl&nbsp;(3.2) besucht wegen seiner guten Begabung die Schweriner B\u00fcrgerschule, ist aber in den letzten Schuljahren so faul, da\u00df er vor der mittleren Reife abgehen mu\u00df. 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