{"id":2978,"date":"2019-01-31T17:24:09","date_gmt":"2019-01-31T17:24:09","guid":{"rendered":"http:\/\/w\u00f6hl.de\/?page_id=2978"},"modified":"2023-02-15T13:22:50","modified_gmt":"2023-02-15T13:22:50","slug":"27-9-1945-annemaries-letzte-kriegserlebnisse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/familie-woehl.de\/?page_id=2978","title":{"rendered":"27.9.1945 Annemaries letzte Kriegserlebnisse"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"105\" height=\"150\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie1-105x150.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1090\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie1-105x150.jpg 105w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie1-211x300.jpg 211w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie1-624x886.jpg 624w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie1.jpg 691w\" sizes=\"auto, (max-width: 105px) 100vw, 105px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>Lieber Bruno!<br>vor mir liegt Dein Brief. &#8211; <br>Du, ich danke Dir. Es erschein mir traumhaft von Dir zu wissen, dass Du lebst. Auf Raten meiner Tante fasste ich den Mut und schieb an die dortige Polizei, um Deine Anschrift zu erfahren, die ich durch diese Wirrnisse vergessen hatte. Hoffentlich hat es Dir keine Unannehmlichkeiten bereitet, indem Dein Vater der \u00dcberbringer war.  Und Du fasst es nicht falsch auf. Mir ist es schrecklich peinlich, dass ich diejenige bin, die zuerst den Versuch machte, um ein Wiederfinden herbeizuf\u00fchren. &#8211;<br>Ja, die letzten Monate waren mehr als grausam. Seit Mitte Juli habe ich eine neue Heimat gefunden. Wie danke ich Gott. Ich glaube, Dir erz\u00e4hlt zu haben von meiner liebsten Tante, wo ich im vergangenen Jahr<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"104\" height=\"150\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie2-104x150.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1091\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie2-104x150.jpg 104w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie2-208x300.jpg 208w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie2-624x897.jpg 624w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie2.jpg 697w\" sizes=\"auto, (max-width: 104px) 100vw, 104px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>einige Tage zu Besuch war. Es ist einfach r\u00fchrend wie lieb hier alle zu mir sind. Nur mein guter Onkel fehlt. Am letzten Tage des Kriegsendes wurde er als Volkssturmmann an einem Bauchschuss in Liebstadt\/Erzgebirge verwundet und wenige Tage darauf starb er. &#8211; Von meinen Eltern weiss ich seit Februar nichts. Meine Heimat ist ja unter die Polen gefallen. Du glaubst ja gar nicht wie ich darunter leide, nichts von meiner \u00fcber alles geliebten Mutter zu wissen. Nur noch einmal m\u00f6chte ich sie sehen und mit ihr sprechen. Die gr\u00f6\u00dften Vorw\u00fcrfe mach ich mir, warum ich in der damaligen kritischen Zeit nicht nach Hause gefahren bin. Es war meiner Mutter gr\u00f6\u00dfter Wunsch, bei ihr oder in der N\u00e4he zu sein. Ich h\u00e4tte einfach losfahren sollen, wie es viele Kolleginnen gemacht haben. Ohne auf das Gerede des Chefs zu h\u00f6ren, der mich mein Verlassen des Dienstes mit dem Tode bestracfen wollte. Nun ist es zu sp\u00e4t. &#8211; Stettin verlie\u00df ich am 19. M\u00e4rz. Mit zwei netten Kolleginnen<\/em> <em>fuhr ich nach Saalfeld\/Th\u00fcringen , um dort weiter der Post zur Verf\u00fcgung zu stehen. Ich konnte meinen Dienst aber nicht mehr aufnehmen, weil ich gleich in den n\u00e4chsten Tagen eine Lungen-  <\/em>   <\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"144\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie3-150x144.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1092\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie3-150x144.jpg 150w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie3-300x288.jpg 300w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie3-624x599.jpg 624w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie3.jpg 698w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>entz\u00fcndung und Nervenzusammenbruch hatte. 14 Tage sp\u00e4ter wurden wir ausgebombt und bekamen auch keine Wohnung mehr dort, weil die Stadt mit Fl\u00fcchtlingen \u00fcberlaufen war. Was blieb uns \u00fcbrig, als sich an die Stra\u00dfe zu stellen und zu warten bis uns einer mitnahm. Wohin, war uns gleich; der Amerikaner war 80 km von uns entfernt und der Russe nicht weniger. Auf gut Gl\u00fcck nahm uns dann endlich ein Milit\u00e4rauto nach Bayern mit. Da landeten wir in einer einsamen Gastwirtschaft am Rennsteig. Am darauf folgenden Tag \u00fcberraschte uns der Amerikaner. Da mussten wir wieder raus. Die besetzten das Haus. Aber in den n\u00e4chsten Tagen konnten wir in unsere Einsamkeit wieder Einzug haten. Da blieb ich bis Mitte Juli.<\/em><\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-thumbnail\"><a href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"150\" height=\"142\" src=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie4-150x142.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1093\" srcset=\"https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie4-150x142.jpg 150w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie4-300x284.jpg 300w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie4-624x591.jpg 624w, https:\/\/familie-woehl.de\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/450927Annemarie4.jpg 704w\" sizes=\"auto, (max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><em>L\u00e4nger konnte ich es nicht aushalten. Trotzdem ich wie Kind im Hause war, denn meine anderen beiden hatten mich inzwischen verlassen. Du, die Leute waren reizend. Noch nie hat beim Abschiednehmen so um mich jemand geweint als die. Aber die Ungewissheit um meine Eltern qu\u00e4lte mich so sehr, dass ich einfach mit meinem Hab und Gut im Rucksack loszog. Mit vielen Schwierigkeiten erreichte ich Berlin. Da glaubte ich alles \u00fcberwunden zu haben, aber aufs Bitterste wurde ich entt\u00e4uscht: &#8222;niemand kommt nach Pommern rein.&#8220; Der Pole hat es seit 14 Tagen besetzt. &#8211; Da glaubte ich, dass ich einfach nicht l\u00e4nger leben kann und wie gut, das Leben (ging) weiter. Das waren die Einzelheiten aus den letzten Monaten.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Schlussbemerkung vom Rand der 1. Seite:<br>F\u00fcr heute gen\u00fcgt es wohl, nicht wahr? Liebe Gr\u00fc\u00dfe! Deine Annemarie<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button alignright\"><a class=\"wp-block-button__link wp-element-button\" href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/?page_id=2984\">Brief vom 3.10.45<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link\" href=\"https:\/\/familie-woehl.de\/?page_id=2928\">zur Briefe-\u00dcbersicht<\/a><\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lieber Bruno!vor mir liegt Dein Brief. &#8211; Du, ich danke Dir. Es erschein mir traumhaft von Dir zu wissen, dass Du lebst. Auf Raten meiner Tante fasste ich den Mut und schieb an die dortige Polizei, um Deine Anschrift zu erfahren, die ich durch diese Wirrnisse vergessen hatte. 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