Eltern nach 1920 (5.1-2)

Die nach 1920 geborene Generation

Die Eltern von Kai, Rita und Jan Wöhl, denen diese Chronik gewidmet ist:

Bruno Wöhl (5.1) und Annemarie Rüchel (5.2)

Die Kindheitstage sind schon bei der vorigen Generation dargestellt worden.

Bruno als Soldat 1942 in Stettin
Annemaries Personalbogen bei der Post

Mit abgeschlossener Ausbildung als Postinspektor wird Bruno Anfang Dezember 1941 Soldat in Stettin. Annemarie ist auch in Stettin als Angestellte im Fernmeldeamt. Beide begegnen sich am schönen Glambecksee im Norden Stettins. Bruno geht neben seinem Fahrrad zusammen mit seinem Kameraden, Unteroffizier Dust, einem schon kahlköpfigen Frauenhelden, der es nicht lassen kann, ein Mädchen, das in den See blickt, anzusprechen, Annemarie. Der ziemlich schüchterne Bruno hätte das unterlassen. Sie gehen zu dritt zur Straßenbahnendhaltestelle zurück, und es gibt eine Verabredung zum nächsten Morgen 5 Uhr am Glambeck. Ein Treffen in so früher Morgenstunde kann niemand ernst nehmen. Dennoch radelt Dust um 10 Uhr hin, findet sie aber nicht. Das reizt Bruno, auch hinzufahren. Er findet sie dank ihrem untrüglichen Erkennungszeichen, dem roten Beutel mit Knittels „Therese Etienne“ und einem Wecker drin. Annemarie hat nämlich bei der Post Wechseldienst und muß darum vor der Schicht rechtzeitig geweckt werden, falls sie am Glambecksee einschläft. Aber das weiß Bruno zunächst alles noch nicht. Er setzt sich nur ziemlich stumm und schüchtern neben sie. Da sich wenigstens Annemarie ziemlich „normal“ benimmt, erfährt er wenigstens ihre Telefonnummer: 22224 schreibt er auf sein Brillenputztuch mangels Notizbuch. Später sucht er unter großem Zeitaufwand im Telefonbuch, wer diese Nummer wohl haben mag, aber sie steht nicht drin. Beim Anrufversuch meldet sich später die Aufsicht vom Fernamt. So weiß er, daß er es mit einer Kollegin zu tun hat. Beide verabreden sich noch oft und genießen die schöne Natur im Eckerberger Wald und am Glambecksee. Der Tag des Kennenlernens ist der 31.Mai 1944.

Bruno auf Rügen 1944

Trotz Urlaubssperre können sie noch einige Tage zusammen nach Rügen (siehe Fotos) fahren, denn Bruno hat sich diesen Urlaub durch ein gutes Schießergebnis verdient. Mit dem 20.Juli 1944, als es dem großen Führer an den Kragen gehen soll, kommt eine Wende. Für Bruno ist es kein Problem, daß deshalb die Kasernentore geschlossen sind, denn er ist mit Annemarie draußen und geht besser nicht wieder hinein, wie ihm seine Kameraden vom Fenster aus signalisieren.

Annemarie auf Rügen 1944

Doch das ist nur ein kurzer Aufschub, denn die Truppe kommt zum Truppenübungsplatz nach Groß Born und anschließend nach Frankreich in die Gegend von Dünkirchen. Nach einigen Feldpostbriefen reißt die Verbindung mit Annemarie ab. Der Krieg geht in sein Endstadium. Annemarie erlebt schwere Bombenangriffe auf Stettin und wird nach Thüringen evakuiert und erlebt bittere Zeiten. Ihr Versuch, sich zum Saleskerstrand durch zu schlagen, scheitert. An der Elbe gerät sie in höchste Gefahr, kommt aber dann doch endlich zu Tante Frieda in Altdöbern (Niederlausitz). Am 10. April 1945 wird Brunos Truppe in Altena im Sauerland nach glorreichem Rückzug gefangen genommen, aber Bruno gelingt es, in dem Durcheinander auszurücken und mit einem von ihm schnell gestohlenen Militärauto nach Solingen zu fahren. Er wird tatsächlich auf der britischen Kommandantur als Dolmetscher angenommen und leidet zunächst keine Not. Ende Mai 45 treibt es ihn doch, mit einem Fahrrad nach Schwerin aufzubrechen, denn Zugverkehr gibt es noch nicht wieder. Es gibt nur am Elbübergang Komplikationen, aber nach 8 Tagen ist er doch in Schwerin.

Suchanfrage von Annemarie

Einige Monate später bringt Tante Mimi die schon genannte Karte vom Einwohnermeldeamt mit. Vater „Pipi“ sagt: „Dor söcht di woll din Spieß!“ – alias Annemarie. Erst Briefwechsel mit Altdöbern und, als im Oktober 45 die Bahn wieder fährt, sofort hin; Annemarie kommt mit zurück, denn man hat sie in Altdöbern in ein Braunkohlenbergwerk dienstverpflichtet.

Hochzeit 1946

In Schwerin gehen beide wieder zur Post; 20. Januar 46 Verlobung mit steinhartem Mohrrübenkuchen und 18. März 46 „Chausseegrabenhochzeit“, wie schon erwähnt, in Feldberg (Mecklenburg), wo die Post beide beschäftigt (Erg.: Foto stammt von der kirchlichen Hochzeit am Tag der Silberhochzeit von Brunos Eltern am 20.5.1946).

Neues Zuhause im Dachzimmer in Taarstedt

Bald gibt es Probleme mit den Russen, die Bruno zum Spitzeldienst zwingen wollen; er will nicht und wird darum kurzerhand eingesperrt in einem verräucherten Keller, bis er das sogenannte „Reversausstellen“ unterschreibt. Er tut das bald, darf nach Hause und flüchtet sofort mit Annemarie aus dem Dachgarten des Hinterhauses; zunächst nach Berlin, wo sie sich unter die vom Osten kommenden Flüchtlinge mischen. Annemarie weint sehr unter all diesen Aufregungen. Vielleicht hat man deshalb Mitleid und verfrachtet beide nach Braunschweig in den Westen. Kriegskamerad Adolf Krause, der in Taarstedt Lehrer geworden ist, macht einen Zuzug nach Taarstedt möglich. Es klappt, weil erfreulicherweise des Bürgermeisters Radio kaputt ist, und Bruno kann es reparieren. In dieser harten Nachkriegszeit ist eben nichts ohne Gegenleistung. Man geht bei den Bauern hamstern, und der Schwarze Markt blüht.

Anmerkung von Kai: Jan fand in Brunos Nachlass seinen nach der Flucht verfassten Bericht zu den Fluchtgründen mit diversen Anlagen als Belege sowie weitere Dokumente aus den Anfangsjahren seines Berufslebens. (siehe Chronikergänzungen bzw. direkt Brunos Bericht zu den Fluchtgründen aus der Ostzone)

Im Westen wird Bruno erst fünf Jahre später bei der Post wieder eingestellt. Er verdingt sich als „Radioflicker“, wie die Taarstedter sagen. Durch Vermittlung des Arbeitsamtes kommt er auf den Schleswiger Flugplatz Jagel, der von der norwegischen Besatzungstruppe bedient wird. Bruno muß norwegische Soldaten in der Instandsetzung britischer und amerikanischer Funkgeräte unterweisen und die in Englisch gedruckten Anweisungen dazu in großer Menge ins Norwegische übersetzen. Das erfordert erhebliche Sprachenlernerei. Aus der Sicht des Ruhestands ist dies die am meisten befriedigende Zeit von Brunos Berufsleben. Dennoch entscheidet er sich nach fünf Jahren wieder für ein Angebot der Post, in Düsseldorf anzufangen. Annemarie hat die fünf Jahre in Taarstedt als die härtesten ihres Lebens in Erinnerung. Man hat dort nur einen kleinen schlecht heizenden Schneiderofen, sammelt dafür Reisigholz, kocht Roggenmehlsuppe und Brennesselgemüse usw.

Bruno als Postbeamter in Kempen

Trotz unüberwindlich erscheinender Wohnungsnot in Düsseldorf gelingt es Bruno, auf dem Lande in einem Gutshaus namens Bockdorf in der Nähe von Kempen (Niederrhein) eine Wohnung mit riesengroßen Zimmern zu bekommen. Auch die Post hat ein Einsehen und beschäftigt ihn fortan beim Postamt Kempen.

Sohn Kai, der schon in Taarstedt geboren ist, und Annemarie können schon nach 2 Monaten nachkommen. In Bockdorf kommt Rita zur Welt, als einzige, die im Schloß geboren ist. Auch in Bockdorf werden es fünf Jahre.

Geburt von Bruder Jan im Herbst

Gegen Ende wird Jan geboren. Bruno ist jetzt in Düsseldorf tätig und wird noch 30 Jahre in der Bezirkswerkstatt für Postkraftwagen bleiben, bis er in den Ruhestand tritt. Die Arbeit bei der Post ist im Grunde ohne Höhen und Tiefen. So ganz froh wird Bruno im Beamtendasein nie. „Wegen Aufsäßigkeit und Widersetzlichkeit wird Wöhl voraussichtlich kein guter Beamter!“, hatte der entfernt verwandte Amtsvorsteher Hinrichs in Waren (Müritz) 1940 in die Beurteilung geschrieben, und er sollte wohl Recht behalten (Auch deshalb hat er wohl sein Inspektorenausbildung nur mit „befriedigend“ abgeschlossen siehe Beurteilungsdokument hier). Allen späteren Wöhls kann man nur zur Befolgung von „Größings“ (2.8) Devise raten: „Mit Höflichkeit und Wort und Mien‘ kommt auch der ärmste durch die Welt.“. Viel Ärger mit Vorgesetzten vermeidet man mit Diplomatie und Unterwürfigkeit. Schuld ist wohl das revolutionäre Blut von Hans Wöhl, dem untertänigen Kuhhirten (1.1) mit der Prügelstrafe. Wenigstens hat es nur Rita geerbt.

einige Wochen später Umzug in eine Neubauwohnung unten links nach Düsseldorf in die Gladbacher Straße 98

In Düsseldorf gibt es nach zweijährigem Hin- und Herfahren endlich eine postalische Neubauwohnung (Gladbacher Str. 98, Erdgeschoss links mit DKW vor dem Haus). Für Annemarie beginnen nun gute Zeiten. Sie fühlt sich hier sehr wohl, wenngleich natürlich die Pflichten bei drei Kindern groß sind. Außerdem ist Schwiegermutter Martha (4.2) aus der DDR gekommen und bleibt 10 Jahre im Haushalt. Sie paßt sich zwar an, aber will nach Bertramscher Art immer standesmäßig über Annemarie stehen. Sie sticht sie bei jeder Gelegenheit aus, was Annemarie sehr kränkt. Als dann Rita flügge wird, trachtet Martha wieder nach Selbständigkeit, zuerst Neuss, später Lübeck und wieder Düsseldorf in eigener Wohnung. Brunos und Annemaries 29 Jahre in Düsseldorf verlaufen sehr schnell, und sie mögen sich immer noch wie am Anfang. 1980 haben sie sich in Thomm ein kleines altes Haus für den Ruhestand gekauft, setzen es instand und siedeln 1985 dorthin ganz über, als Bruno zur Ruhe gesetzt wird. Der weitere Verlauf wird vom nächsten Chronisten zu schildern sein.

Familie Wöhl 1960

Bisher gab es kein Wort darüber, wie Bruno und Annemarie wohl charakterlich geartet sind. Man kann sich selbst eben schlecht beschreiben. Andere sagen ihnen sicher die Wöhlsche Kleinlichkeit nach Oma Riekes (3.2) Art nach, aber sicherlich nicht den Bertramschen Geiz und auch keine Großmannssucht. Was beiden fehlt, ist der Optimismus, mit dem Richard und Martha (4.1 und 4.2) durchs Leben gegangen sind. Annemarie und Bruno sehen die Dinge zu tragisch und pessimistisch. Ihnen ist Wilhelm Wöhls unübertreffliche Vorsicht und Skepsis zueigen. Annemarie regt sich, besonders in den späten Jahren, über alles sehr auf und bekommt ein böses Schilddrüsenleiden. Auch Bruno kränkelt seit der Bockdorfer Zeit vor sich hin, am ärgsten mit den Nieren. Auch er neigt sehr dazu, sich unnötig zu ärgern und ist sehr empfindsam. Die Kinder werden sicher weitere böse Eigenschaften herausfinden. Wer erkennt sich schon selbst?

Politisch ist Bruno sein Leben lang sehr gesellschaftskritisch und kann darum keine der etablierten Parteien ausstehen, weil die Politiker alle nur um den eigenen Vorteil ringen. Aber Hitlers Diktatur hat noch mehr Probleme gebracht, so daß man sie auf keinen Fall zurückhaben möchte. Die perfekte Lösung gibt es für den kleinen Mann wohl nicht. Bruno schielt immer darauf, in welchem Land die Gegensätze zwischen arm und reich groß sind und ständig größer werden, wohlgemerkt durch gezielte Politik. In dieser Hinsicht ist die Bundesrepublik das ungünstigste Land für den Bezieher eines kleinen Einkommens, wenn man von den gravierend unsozialen USA absieht. In den skandinavischen Ländern ist der Kontrast bei weitem nicht so groß und wächst kaum. Darum Brunos große Hinwendung zu den Dänen und Norwegern. Aus diesem Grunde fährt er besonders gern gen Norden mit seiner außerdem versöhnlichen Landschaft.

Hiermit wir bestätigt, dass … der dänischen Minderheit (…) in Südschleswig angehört.

Anmerkung von Kai: Bruno hat in Taarstedt norwegisch und dänisch gelernt und lässt seine Familie Anfang 1950 als Angehörige der südschleswigschen dänischen Minderheit registrieren. Über diese Verbindung kommen auch Besuche bei dänischen Familien während unserer Dänemark-Rundreise 1956 zustande. Zudem ergibt sich der Kontakt zur Lehrerin Inger Enemark aus Tondern, die auf Römö ein Ferienhaus besitzt, das unsere Familie mehrfach besuchen darf. 1964 dürfen wir auf dem Vereinsgelände der dänischen Minderheit in Missunde an der Schlei einen Camping-Urlaub verbringen (siehe nebenstehende Bestätigung, die Jan in alten Unterlagen gefunden hat).

Über Erfolgserlebnisse freut sich gewiss jeder. Eltern freuen sich au meisten über den Erfolg ihrer Kinder und sind besonders stolz darauf, wenn sie beruflich mit dem Erreichten zufrieden. sein können. Dies ist auch bei Annemarie und Bruno so:

Kai hat mit Geduld, Fleiß und Interesse Informatik studiert und promoviert. In seiner Stellung bei der Bundesanstalt für Arbeit ist er zufrieden.

Rita hat das Apothekerstudium geschafft und ist nun mit der Berufswahl auch zufrieden. Die Chancen für eine gute Stellung sind nicht schlecht.

Auch Jan ist als Regierungsoberinspektor im Wetterdienst zufrieden. Ihm droht kaum Arbeitslosigkeit.

Kai hat mit Anne-Marie geb. Kröber eine Familie gegründet und hat vier gesunde Kinder im Haus: Stefan, Xenia, Saskia und Anina.  Wohlergehen, Gesundheit und Segen unter friedlichen Lebensumständen möge den Kindern und Kindeskindern beschieden sein!

Danksagung

Für den Abschluß dieser Chronik kann es nichts wesentlicheres geben als einen sehr herzlich empfundenen Dank an Brunos liebe Frau Annemarie für bisher mehr als vier Jahrzehnte glücklicher Ehe.

Nachtrag von Kai

Alterswohnsitz in Thomm Kirchstr. 11

Die Chronik von Vater Bruno beschreibt die Zeit bis Ende der 1980er Jahre. Abgesehen von gesundheitlichen Problemen erlebten die Eltern danach noch ein gutes gemeinsames Jahrzehnt in ihrem Haus Kirchstraße 11 in Thomm bei Trier zusammen mit Katzen und Hund. Nachdem die Renovierungsarbeiten am Haus weitgehend abgeschlossen waren, entdeckte Bruno als neues Hobby für sich den C64-Commodore-Computer und setzte vor allem die ihm vertrauten Formeln aus seiner früheren Radiobastelei in einfache Programme um.  Zudem unternahm er noch einige wenige kurze Urlaubsreisen, wie früher mit Zelt und eigener Verpflegung. Annemarie war dazu nicht mehr bereit und blieb mit den Haustieren zu Hause. Nach der deutschen Wiedervereinigung besuchte er erstmalig nach seiner Flucht 1946 seine Heimatstadt Schwerin.

Eltern im Mai 1982 vor der Haustür in Thomm

Annemarie kümmerte sich währenddessen nicht nur um ihre eigenen Haustiere, die sie übermäßig fütterte, sondern versorgte auch die Tiere der Nachbarschaft, speziell Katzen, Pferde, Fuchs und Krähen. Das Futter organisierte sie günstig bei den Einkaufsfahrten zu Supermärkten überwiegend aus deren Abfällen. Höhepunkte für sie waren vor allem die häufigen Wochenendbesuche von Sohn Jan, Schwiegertochter Rosi und Enkelkinder Melanie, Shenja und Reimo, die glücklicherweise nur 50 km weit entfernt wohnten.

Bruno lehnte auch in seinen letzten Jahren, in denen er abmagerte und es ihm gesundheitlich immer schlechter ging und er deswegen auch noch unzufriedener und gereizter wurde, ärztliche Hilfe weiter ab. Am 19.12.1997 kurz vor Weihnachten verstarb er dann dennoch unerwartet. Er hatte schriftlich verfügt, daß keine Trauerfeier stattfinden, sein Körper verbrannt und seine Asche anonym bestattet werden sollte. Da dies seinerzeit in der katholisch geprägten Umgebung nicht möglich war, wurde er, seinem Wunsch entsprechend, im französichen Thionville anonym beigesetzt.

Annemarie fielen die ersten Jahre des Alleinseins nach über 50-jähriger Ehe sehr schwer. Glücklicherweise kümmerten sich Jan und seine Familie weiterhin stark um sie und waren ihr in allen Lebenslagen eine große Hilfe. So konnte sie weiterhin eigenständig in ihrem Haus in Thomm leben, bis sie am 13.9.2007 nachts ein schwerer Schlaganfall mit Lähmungs-, Seh- und Gedächnisstörungen traf.  Nach der Behandlung im Brüderkrankenhaus in Trier und anschließend im Reha-Zentrum Bernkastel-Kues erholte sie sich überraschend gut, war aber nicht mehr in der Lage, ihr altes eigenständiges Leben wieder aufzunehmen. Tochter Rita nahm sie in ihrem Haushalt in Worpswede auf, um ihr einen Heimaufenthalt zu ersparen. Annemarie akzeptierte die damit verbundene Umstellung aber nicht und wollte unbedingt in ihr Haus nach Thomm zurückkehren. Jan organisierte eine Nachbarschaftshilfe für sie in Thomm, so daß die unbedingt notwendige Betreuung vor Ort für sie gegeben war und eine Rückkehr möglich schien.

Annemarie im Speisesaal des Altenheims in Neuendettelsau

Wie schon in Worpswede nahm sie jedoch auch hier die erforderliche Unterstützung nicht an, war aber angesichts der selbst wahrgenommenen Hilfsbedürftigkeit dann doch bereit, sich das vorgeschlagene Altenheim der Diakonie Neuendettelsau in der Nähe von Kais Wohnort anzuschauen. Da sie dort ein Ein-Zimmer-Appartement haben würde, in das sie ihre Möbel mitnehmen konnte,war sie mit der kurzfristigen Umsiedlung Anfang 2008 einverstanden. Hier lebte sie sich überraschend schnell ein, genoss die vielfältigen Förderungs- und Freizeitmöglichkeiten und schloss neue Freundschaften. Das Haus in Thomm ließ sie 2009 verkaufen.

Annemarie im Altenheim 2010

Schwierig blieb es allerdings auch in dieser Umgebung, dafür zu sorgen, dass sie die Arzneien zur Vorbeugung erneuter Schlaganfälle wie verordnet einnahm. Auch sehr erfahrene Pflegekräfte trickste sie hierbei aus. Mit der Zeit verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand und die Demenz nahm zu, so dass sie in Pflegestufe 1 eingruppiert wurde. Am 15.7.2011 starb sie dann nach kurzem Aufenthalt im Diakonie-Krankenhaus in Neuendettelsau. Kurz vor ihrem Tod hatte sie zugestimmt, dass entgegen der ursprünglichen Verfügung ihre Kinder und Freunde in einer Trauerfeier von ihr Abschied nehmen konnten. Aber auch sie wollte
wie Bruno anonym in Thionville bestattet werden.